Griffigkeit bezeichnet die Rutschfestigkeit einer Fahrbahnoberfläche oder Markierung. Sie entscheidet darüber, wie gut Reifen haften können und wie sicher Fahrzeuge bremsen, beschleunigen oder Kurven fahren. Eine ausreichende Griffigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Verkehrssicherheit – sowohl auf dauerhaften Straßen als auch auf temporären Baustellenflächen.
Was bestimmt die Griffigkeit?
Die Griffigkeit einer Fahrbahn hängt von mehreren Faktoren ab. Der wichtigste ist die Oberflächenstruktur: Raue, strukturierte Oberflächen bieten mehr Grip als glatte. Die Makrotextur, also die gröbere Struktur, sorgt für Wasserableitung und Verzahnung bei höheren Geschwindigkeiten. Die Mikrotextur, die feinere Rauheit, ist entscheidend für den direkten Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn.
Auch das Material spielt eine Rolle. Asphalt hat in der Regel eine andere Griffigkeit als Beton oder Pflaster. Innerhalb eines Materials kann die Griffigkeit durch die Zuschlagstoffe, die Körnung und die Verdichtung beeinflusst werden.
Externe Faktoren wie Nässe, Verschmutzung, Laub oder Schnee reduzieren die Griffigkeit erheblich. Deshalb ist sie keine konstante Größe, sondern ändert sich mit den Äußeren Bedingungen. Besonders bei Nässe zeigen sich Unterschiede deutlich: Eine Fahrbahn mit guter Griffigkeit leitet Wasser schnell ab und verhindert Aquaplaning, während eine glatte Fläche rutschig wird.
Griffigkeit von Fahrbahnmarkierungen
Fahrbahnmarkierungen stellen eine besondere Herausforderung dar. Sie sollen gut sichtbar sein, was oft glänzende oder glatte Oberflächen erfordert. Gleichzeitig müssen sie griffig genug sein, damit Fahrzeuge nicht beim Überfahren ins Rutschen geraten. Dieser Zielkonflikt wird durch verschiedene Maßnahmen gelöst.
Bei modernen Markierungen werden der Farbe oft Zuschlagstoffe beigemischt, die für Rauheit sorgen. Glasperlen sind nicht nur für die Retroreflexion wichtig, sondern tragen auch zur Griffigkeit bei, wenn sie teilweise aus der Oberfläche herausragen. Spezielle Griffigkeitszuschläge wie Quarzsand oder Korund verstärken diesen Effekt.
Bei Thermoplastik-Markierungen wird die Oberfläche oft durch Strukturierung griffiger gemacht. Das kann durch Riffelung, Noppen oder durch das Aufstreuen von groben Körnungen geschehen. Diese strukturierten Markierungen sind besonders bei Zebrastreifen, in Kurven oder auf Gefällstrecken wichtig.
Messung der Griffigkeit
Die Griffigkeit wird mit verschiedenen Verfahren gemessen. Das bekannteste ist der Reibwert, der angibt, wie stark die Haftreibung zwischen Reifen und Fahrbahn ist. Er wird mit speziellen Messfahrzeugen oder -geräten ermittelt, die einen genörmten Reifen über die Oberfläche ziehen und die benötigte Kraft messen.
Ein anderes Verfahren ist die Bestimmung der Pendel-Rutschfestigkeit. Dabei wird ein Pendel mit einem Gummielement über die Oberfläche geschwungen und der Energieverlust gemessen. Je griffiger die Oberfläche, desto mehr Energie wird absorbiert.
Für Fahrbahnmarkierungen gibt es spezielle Prüfverfahren, die in Normen festgelegt sind. Diese berücksichtigen sowohl die trockene als auch die nasse Griffigkeit. Die Anforderungen variieren je nach Markierungstyp und Einsatzort.
Griffigkeit auf Baustellen
Auf Baustellen ist die Griffigkeit oft ein kritischer Punkt. Temporäre Fahrbahnen aus Stahlplatten, Kunststoff oder provisorischem Asphalt haben häufig eine schlechtere Griffigkeit als die dauerhafte Fahrbahn. Das erhöht das Unfallrisiko, besonders bei Nässe oder bei schnellen Geschwindigkeiten.
Stahlplatten beispielsweise sind bei Nässe extrem rutschig. Sie sollten daher nur dort eingesetzt werden, wo niedrige Geschwindigkeiten vorgeschrieben sind, oder sie müssen mit rutschhemmenden Beschichtungen oder Strukturen versehen werden. Riffelblech bietet mehr Grip als glattes Blech, reicht aber oft nicht an die Griffigkeit von Asphalt heran.
Auch temporäre Markierungen auf Baustellen müssen ausreichend griffig sein. Klebeband oder Folienmarkierungen können bei unsachgemäßer Anbringung zur Rutschgefahr werden, besonders wenn sie Wellen oder Blasen bilden. Daher ist eine fachgerechte Verlegung entscheidend.
Verschleiß und Instandhaltung
Die Griffigkeit einer Fahrbahn oder Markierung nimmt mit der Zeit ab. Verkehrsbelastung, Witterung und Verschmutzung tragen dazu bei. Die raue Oberfläche wird glatt poliert, Zuschlagstoffe werden abgetragen, und die ursprüngliche Struktur geht verloren.
Regelmäßige Kontrollen sind daher wichtig. Straßenbauverwaltungen messen die Griffigkeit in festgelegten Intervallen und leiten bei Bedarf Sanierungsmaßnahmen ein. Für Fahrbahnmarkierungen gibt es ähnliche Überwachungssysteme, wobei hier oft die Sichtbarkeit im Vordergrund steht und die Griffigkeit mitgeprüft wird.
Maßnahmen zur Verbesserung der Griffigkeit reichen von Reinigung über Oberflächenbehandlungen bis hin zum kompletten Austausch. Bei Markierungen kann das Aufbringen einer neuen Schicht mit besseren Griffigkeitszuschlägen helfen. Bei Fahrbahnen kommen Verfahren wie Hochdruckwasserstrahlen, Fräsen oder neue Deckschichten zum Einsatz.
Rechtliche Vorgaben
Für die Griffigkeit gibt es verschiedene rechtliche und normative Vorgaben. Die Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaues von Verkehrsflächen (RStO) enthalten Anforderungen an die Griffigkeit von Fahrbahnen. Auch die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen für Markierungen (ZTV M) legen Mindestwerte fest.
Bei Baustellen gelten die Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA). Sie fordern, dass temporäre Verkehrsflächen eine ausreichende Griffigkeit aufweisen müssen. Ist das nicht gewährleistet, müssen die zulässigen Geschwindigkeiten reduziert oder andere Maßnahmen ergriffen werden.
Betreiber von Straßen und Baustellenverantwortliche tragen die Verkehrssicherungspflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass Fahrbahnen und Markierungen in einem sicheren Zustand sind. Bei Unfällen, die auf mangelnde Griffigkeit zurückzuführen sind, können Haftungsfragen entstehen.
Fazit
Griffigkeit ist eine Schlüsseleigenschaft jeder Verkehrsfläche. Sie entscheidet darüber, wie sicher Fahrzeuge fahren, bremsen und lenken können. Wer Straßen plant, Markierungen anbringt oder Baustellen einrichtet, muss die Griffigkeit im Blick behalten – nicht nur bei trockenen Bedingungen, sondern gerade auch bei Nässe.
Die richtige Materialwahl, eine strukturierte Oberfläche und regelmäßige Kontrollen sind die Grundlagen für eine dauerhaft gute Griffigkeit. Auf Baustellen gilt besondere Aufmerksamkeit, da temporäre Lösungen oft weniger griffig sind als dauerhafte Beläge. Mit den passenden Produkten und einer fachgerechten Ausführung lässt sich die Verkehrssicherheit auch unter schwierigen Bedingungen gewährleisten.

